Thomas Palme: Rotten Home

Vom ersten Stock des Kremser Karikaturmuseums kam ich durch einen direkten Verbindungsgang in die sogenannte “Factory” Kunsthalle, und stiess auf die Zeichnungen von Thomas Palme. Als kurze Begrüssung musste ich folgende Botschaft lesen: “Einen besseren Künstler habt ihr nicht verdient.” Nunja, dachte ich da, der dürfte aber selbstkritisch sein und nur wenig Selbstvertrauen in sich [...]

Vom ersten Stock des Kremser Karikaturmuseums kam ich durch einen direkten Verbindungsgang in die sogenannte “Factory” Kunsthalle, und stiess auf die Zeichnungen von Thomas Palme.

Als kurze Begrüssung musste ich folgende Botschaft lesen: “Einen besseren Künstler habt ihr nicht verdient.” Nunja, dachte ich da, der dürfte aber selbstkritisch sein und nur wenig Selbstvertrauen in sich spüren. Beim Anblick seiner Bilder wusste ich dann was er damit meinte. Die Zeichnungen waren auf Schnüren befestigt, und kreuz und quer durch den Raum gespannt worden. Alle Werke wiesen eine grosse Ähnlichkeit miteinander auf. Entweder es wurde wie wild und ohne Plan herumgekrixelt, oder es war ein weibliches Geschöpf mit einem Tierkopf oder Totenschädel abgebildet, welches die Beine gespreizt hielt und dem Besucher seinen Genitalbereich präsentierte. Rund um die Figur standen in den meisten Fällen wirre und obszöne Nachrichten und ein dick aufgetragenes Kruzifix.

Verwundert blickte ich mich eine Zeit lang um. Ich konnte aber keine guten Gründe finden um hier noch länger zu bleiben als nötig. Was wollte der Künstler mit seinen Werken überhaupt bezwecken? Mir konnte beim besten Willen keine Antwort auf diese Frage einfallen. In der Museumsbroschüre ist folgendes zu lesen: “Der Künstler reflektiert in seiner umfassenden Bestandsaufnahme der Welt neue Wahrnehmungs und Denkweisen.” Achso, dann ist ja alles klar.

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Titelbild: Vinicius Tupinamba | Agency: Dreamstime.com